Ihr Vertrieb kennt den Moment: Ein potenzieller Kunde meldet sich, klingt interessiert — und dann verschwinden Wochen in Präsentationen, Nachfassaktionen und internen Abstimmungsrunden, ohne dass eine Entscheidung fällt. Was viele Unternehmen dabei übersehen: Zum Zeitpunkt dieser ersten Kontaktaufnahme ist die Kaufentscheidung oft bereits weitgehend gefallen.
Das hat weitreichende Konsequenzen für Ihre Strategie. Wenn Kunden bereits vor dem ersten Gespräch im Netz recherchieren, Anbieter vergleichen und intern abstimmen, dann entscheidet nicht mehr der beste Verkäufer — sondern derjenige, der in genau diesen frühen Phasen sichtbar, glaubwürdig und hilfreich ist.
B2B-Käufer verbringen nur 17% ihrer Gesamtzeit im Kaufprozess in direkten Gesprächen mit Lieferanten — und wenn mehrere Anbieter evaluiert werden, sinkt dieser Anteil auf 5–6% pro Anbieter.
In diesem Guide zeige ich Ihnen, wie die B2B Customer Journey wirklich funktioniert: Welche Phasen durchlaufen Ihre Kunden, wer trifft tatsächlich die Entscheidung, welche Touchpoints zählen — und wie Sie eine Customer Journey Map erstellen, die nicht nur im Workshop gut aussieht, sondern Ihren Umsatz messbar beeinflusst.
Warum die B2B Customer Journey grundlegend anders funktioniert
Der häufigste Fehler bei der Analyse des B2B Kaufprozesses: Man überträgt B2C-Denkmuster auf komplexe Geschäftsentscheidungen. Ein Konsument kauft Schuhe in fünf Minuten. Ein Unternehmen evaluiert eine neue ERP-Lösung über 9–18 Monate — mit einem Buying Center aus 6 bis 10 Personen, internen Genehmigungsprozessen und erheblichem finanziellem Risiko.
| Merkmal | B2C Customer Journey | B2B Customer Journey |
|---|---|---|
| Entscheidungsträger | 1 Person | 6–10 Personen (Buying Center) |
| Entscheidungsdauer | Minuten bis Tage | 3–18 Monate |
| Ø Transaktionswert | 10–500 € | 10.000–5.000.000 € |
| Primäre Motivation | Emotional, Impuls | Rational, ROI-getrieben |
| Touchpoints bis Abschluss | 3–7 | Ø 59 Touchpoints |
| Vertragsstruktur | Einzelkauf | Rahmenverträge, SLAs, Laufzeiten |
| Beziehungstiefe | Transaktional | Partnerschaftlich, langfristig |
| Hauptkanal Recherche | Social Media, Reviews | LinkedIn, Fachmessen, Empfehlungen, SEO |
| Content-Bedarf | Produktbilder, Preise | Whitepapers, Case Studies, ROI-Kalkulatoren |
| Risiko bei Fehlentscheidung | Niedrig (Rückgabe möglich) | Hoch (Jobrisiko, Investitionsverlust) |
Was sich daraus ergibt: Die Customer Journey B2B erfordert eine eigene Strategie — keine Vereinfachung des B2C-Playbooks. Sie brauchen längere Nurturing-Strecken, mehr Content-Tiefe, ein Verständnis für gruppenbasierte Entscheidungsprozesse und die Fähigkeit, verschiedene Stakeholder mit unterschiedlichen Interessen gleichzeitig zu überzeugen.
Das Buying Center: Wer wirklich über Ihren Deal entscheidet
Einer der kritischsten Fehler im B2B-Vertrieb: Man fokussiert sich auf einen einzigen Ansprechpartner und vernachlässigt das gesamte Buying Center — also alle Personen, die an der Kaufentscheidung beteiligt sind. In Großunternehmen sind das durchschnittlich 6,8 Personen (Gartner 2024), in komplexen IT- oder Infrastrukturprojekten teilweise über 15.
| Rolle | Funktion | Primäres Interesse | Relevanter Content |
|---|---|---|---|
| Initiator | Erkennt den Bedarf, löst den Prozess aus | Problem lösen, intern Druck aufbauen | Problem-Awareness Content, Blogposts |
| Anwender (User) | Nutzt das Produkt/die Lösung täglich | Usability, Effizienz, Lernkurve | Demos, How-To-Guides, Erfahrungsberichte |
| Einflussnehmer | Berät intern, bewertet technisch | Fachliche Exzellenz, Integrationsfähigkeit | Whitepapers, technische Dokumentationen |
| Entscheider | Hat formale Entscheidungshoheit | ROI, strategische Passung, Risikominimierung | Business Cases, ROI-Kalkulatoren |
| Genehmiger | Freizeichnung von Budget/Vertrag | Compliance, Kosten, Gesamtrisiko | Sicherheitszertifikate, Referenzen |
| Einkäufer (Buyer) | Verhandelt Konditionen, prüft Angebote | Preis-Leistung, Vertragsbedingungen | Angebote, SLA-Übersichten, Vergleichstabellen |
| Gatekeeper | Filtert Informationen, steuert Zugang | Effizienz der Evaluation | Executive Summaries, schnelle Wertargumentation |
Was das für Ihre B2B Customer Journey Strategie bedeutet: Jede Rolle hat andere Fragen, andere Ängste und andere Entscheidungskriterien. Ein Whitepapaer über technische Integrationsfähigkeit überzeugt den Einflussnehmer — aber nicht den CFO, der Budgetverantwortung trägt. Erfolgreiche B2B-Unternehmen entwickeln für jede Buying-Center-Rolle dedizierte Content-Pfade.
Die 6 Phasen der B2B Customer Journey
Die B2B Customer Journey ist kein linearer Funnel. Entscheider springen zwischen Phasen hin und her, evaluieren mehrere Anbieter parallel und brechen den Prozess ab — um ihn Wochen später neu zu starten. Trotzdem lassen sich strukturell sechs klar unterscheidbare Phasen identifizieren.
Phase 1: Trigger — Problembewusstsein entsteht
Jede B2B Customer Journey beginnt mit einem Auslöser. Etwas verändert sich im Unternehmen: Ein System funktioniert nicht mehr, ein Wachstumsziel erfordert neue Kapazitäten, ein Wettbewerber macht etwas besser, oder ein Branchentrend erzwingt Handlungsbedarf.
Typische Trigger in Großunternehmen:
- Technologische Veraltung (Legacy-Systeme, Compliance-Lücken)
- Wachstumsdruck (neue Märkte, skalierbare Prozesse)
- Effizienzprobleme (manuelle Prozesse, zu hohe Kosten)
- Regulatorische Anforderungen (DSGVO, ISO-Zertifizierungen)
- Strategische Initiativen (Digitalisierung, Internationalisierung)
Was das für Sie bedeutet: In der Trigger-Phase sucht Ihr zukünftiger Kunde noch keine Anbieter. Er sucht nach Bestätigung, dass sein Problem real ist — und nach einem Rahmen, der ihm hilft, das Problem intern zu formulieren. Thought-Leadership-Content, der genau diese Probleme benennt und einordnet, macht Sie in diesem Moment sichtbar.
Phase 2: Awareness — Aktive Lösungssuche beginnt
Nachdem das Problem intern anerkannt wurde, beginnt die aktive Recherche. In dieser Phase der B2B Customer Journey sucht der potenzielle Kunde nach Lösungsansätzen — noch nicht nach Anbietern. Die Recherche läuft primär digital: Google, LinkedIn, Fachpublikationen, Branchenreports.
Entscheidend in dieser Phase: Wer in der Awareness-Phase nicht gefunden wird, existiert für den Entscheider nicht. SEO, Content Marketing und eine klare Positionierung sind hier keine Nice-to-haves, sondern Grundvoraussetzungen.
Junge B2B-Entscheider — unter 35 Jahren — nutzen laut Forrester im Durchschnitt vier bis fünf digitale Kanäle für ihre initiale Recherche. LinkedIn, Google, YouTube und Branchen-Communitys werden gleichzeitig genutzt. Die Zeit für ein Cold-Call-Outreach in dieser Phase ist kaum vorhanden.
Phase 3: Consideration — Anbieter werden verglichen
Jetzt wird es konkret. Der potenzielle Kunde hat seinen Lösungsraum definiert und beginnt, Anbieter zu evaluieren. Er vergleicht Angebote, liest Case Studies, holt Referenzen ein — und das, bevor er in 80% der Fälle überhaupt Kontakt zu einem Vertriebsmitarbeiter aufgenommen hat.
Was in der Consideration-Phase entscheidet:
- Glaubwürdigkeit: Haben Sie nachweisbare Ergebnisse für vergleichbare Unternehmen?
- Relevanz: Spricht Ihr Content die spezifische Branche, Unternehmensgröße, das spezifische Problem an?
- Zugänglichkeit: Ist die Information leicht zu finden, zu verstehen und intern zu teilen?
Phase 4: Decision — Entscheidung und Verhandlung
In der Entscheidungsphase ist die Liste der Anbieter auf zwei bis drei kandidaten reduziert. Jetzt wird der Vertrieb aktiv einbezogen — Demos, individuelle Angebote, Referenzgespräche, technische Proof-of-Concepts. Diese Phase erfordert intensive Begleitung.
Was jetzt über Sieg oder Niederlage entscheidet:
- Business Case: Können Sie den ROI konkret beziffern?
- Risikoabsicherung: Wie minimieren Sie das wahrgenommene Risiko der Entscheider?
- Buying-Center-Alignment: Haben Sie alle relevanten Stakeholder adressiert?
- Referenzen: Haben Sie nachweisbare Erfolge bei vergleichbaren Unternehmen?
Phase 5: Onboarding — Die gefährlichste Phase
Der Abschluss ist nicht das Ende der B2B Customer Journey — er ist der Beginn der Bewährungsprobe. Die Onboarding-Phase entscheidet darüber, ob aus einem neuen Kunden ein Stammkunde wird. In B2B-Beziehungen wird hier der Grundstein für Verlängerungen, Erweiterungen und Weiterempfehlungen gelegt.
Phase 6: Retention & Advocacy — Der langfristige Wert
In der finalen Phase der B2B Customer Journey geht es um Kundenbindung, Upselling und — im besten Fall — aktive Weiterempfehlung. B2B-Kunden, die zu echten Advocates werden, sind Gold wert: Sie geben Referenzgespräche, stellen sich als Case Studies zur Verfügung und empfehlen Sie in ihren Netzwerken weiter.
Was langfristige Kundenbindung im B2B ausmacht:
- Regelmäßige QBRs (Quarterly Business Reviews)
- Proaktive Optimierungsvorschläge — nicht nur auf Nachfrage
- Frühzeitiger Einbezug bei Produkt-Roadmaps und Neuentwicklungen
- Persönliche Beziehung über den einzelnen Ansprechpartner hinaus
Die wichtigsten B2B Touchpoints je Phase der Customer Journey
Durchschnittlich 59 Touchpoints umfasst eine B2B Customer Journey bis zum Abschluss. Die Verteilung ist dabei alles andere als gleichmäßig. Nicht jeder Touchpoint hat das gleiche Gewicht — und nicht jeder Kanal eignet sich für jede Phase.
| Phase | Wichtigste Touchpoints | Primäre Kanäle | Ziel des Touchpoints |
|---|---|---|---|
| Trigger | Thought-Leadership-Artikel, LinkedIn-Posts, Konferenzen | SEO, LinkedIn, Fachpresse | Problembewusstsein schärfen |
| Awareness | Blogposts, Whitepapers, Webinare, Branchenreports | Google, LinkedIn, E-Mail-Newsletter | Als kompetente Quelle etablieren |
| Consideration | Case Studies, Produktseiten, Demo-Anfragen, Vergleichsseiten | Website, G2/Capterra, Empfehlungen | Konkrete Lösungskompetenz belegen |
| Decision | Sales-Demos, individuelle Angebote, Referenzgespräche, PoC | Direktkontakt, Video-Calls, Events | Einwände entkräften, Abschluss ermöglichen |
| Onboarding | Kick-off-Meeting, Dokumentation, Schulungen, Helpdesk | Direkt, Kundenportal, E-Mail | Schnellen Werterlebnis sichern |
| Retention | QBRs, Newsletter, Produkt-Updates, Community-Events | E-Mail, Kundensupport, Events | Expansion und Advocacy fördern |
Customer Journey Map erstellen: Das 5-Schritte-Framework
Eine B2B Customer Journey Map ist das wichtigste strategische Werkzeug, um die Perspektive Ihrer Kunden systematisch zu verstehen — und Ihre Marketing-, Vertriebs- und Service-Aktivitäten daran auszurichten. Hier ist das Framework, das ich in der Beratungspraxis nutze.
Schritt 1: Buying Personas für alle Stakeholder definieren
Nicht eine Persona, sondern eine pro Buying-Center-Rolle. Der Einkäufer hat andere Fragen als der CTO — beide brauchen ihre eigene Persona mit eigenen Pain Points, Informationsbedürfnissen und Entscheidungskriterien.
Was eine gute B2B-Persona enthält:
- Rolle und Verantwortungsbereich im Buying Center
- Primäre KPIs und Erfolgskriterien (woran wird diese Person gemessen?)
- Typische Einwände und Bedenken
- Bevorzugte Informationskanäle und Content-Formate
- Entscheidungsrelevante Trigger
Schritt 2: Alle bestehenden Touchpoints inventarisieren
Bevor Sie optimieren, müssen Sie verstehen, was bereits existiert. Sammeln Sie alle Berührungspunkte, die ein potenzieller Kunde mit Ihrem Unternehmen hat — von der ersten Google-Suche bis zum After-Sales-Support. Trennen Sie dabei bewusst zwischen aktiven Touchpoints (die Sie steuern) und passiven Touchpoints (Bewertungsportale, Empfehlungen, Presse).
Schritt 3: Kundenperspektive und Pain Points pro Phase erheben
Die Journey Map wird erst dann wertvoll, wenn Sie nicht nur beschreiben, was passiert — sondern wie Ihre Kunden es erleben. Führen Sie strukturierte Interviews mit aktuellen Kunden, verlorenen Deals und aktiven Prospects. Fragen Sie gezielt:
- „Wie haben Sie uns gefunden?”
- „Was hat Ihre Entscheidung am meisten beeinflusst?”
- „Wo im Prozess waren Sie am unsichersten?”
- „Was hat den Ausschlag für uns gegeben?”
Schritt 4: Content-Gaps und Friction-Points identifizieren
Mit dem Wissen aus Schritt 3 können Sie systematisch identifizieren, wo Ihre Journey Map Lücken hat: Phasen, in denen Kunden keine Informationen finden, sich allein gelassen fühlen oder intern nicht weiterkommen. Diese Gaps sind Ihre größten Wachstumshebel.
Typische Content-Gaps in B2B Customer Journeys:
- Fehlende Phase-1-Content (Trigger-Phase) → Kunden finden Sie zu spät
- Keine rollenspezifischen Inhalte → CFO und CTO lesen denselben, für niemanden optimierten Content
- Lücke zwischen Website und Vertrieb → Prospect weiß viel, Vertrieb weiß nichts davon
- Schlechtes Onboarding-Material → Kunden erleben Wertlücke nach Abschluss
Schritt 5: Pipeline-Potenzial quantifizieren und priorisieren
Eine Customer Journey Map ohne Zahlen ist ein strategisches Kunstwerk ohne Umsetzungsrelevanz. Quantifizieren Sie das Potenzial: Wie viele Opportunities befinden sich aktuell in Ihrer Pipeline? Welchen Umsatz können Sie bei aktueller Abschlussrate erwarten? Wo verlieren Sie die meisten Deals?
Berechnen Sie Ihren erwarteten Pipeline-Umsatz:
B2B Customer Journey im digitalen Vertrieb
Der B2B Kaufprozess hat sich in den letzten fünf Jahren fundamental verändert. Was früher durch Außendienst, Messen und persönliche Netzwerke dominiert wurde, läuft heute zu großen Teilen digital ab — auch im Enterprise-Segment.
| Aspekt | Traditionelle B2B Journey | Digitale B2B Journey |
|---|---|---|
| Erstkontakt | Kaltakquise, Messe, Außendienst | SEO, LinkedIn, Content Marketing |
| Recherchephase | Vertriebsgespräche, gedruckte Materialien | Eigenständig online, 57–70% ohne Vertrieb |
| Angebotsprozess | Manuell, E-Mail-basiert, langsam | Automatisiert, Self-Service-Konfiguratoren |
| Entscheidungsgrundlage | Vertriebspräsentation, Referenzen per Telefon | Online-Reviews, Case Studies, Video-Demos |
| Vertragsabschluss | Persönlich, Papierdokumente | Digital signiert, E-Commerce-fähig |
| After-Sales | Persönlicher Kundenbetreuer | Self-Service-Portal, automatisierter Support |
| Datengrundlage | CRM-Notizen, Bauchgefühl | Analytics, Lead-Scoring, Journey-Tracking |
Was das konkret bedeutet: B2B-Unternehmen, die heute noch ausschließlich auf den Außendienst und persönliche Beziehungen setzen, verlieren systematisch die frühen Phasen der Customer Journey. Der Entscheider, der Sie in Phase 1 und 2 nicht digital gefunden hat, kommt in Phase 4 mit einer Liste von Wettbewerbern — und Sie befinden sich nicht darauf.
Messbarkeit des Sales-ROI: Nutzen Sie unseren Rechner, um den Return Ihrer Vertriebsinvestitionen zu berechnen — ein entscheidender KPI für die Bewertung Ihrer Customer-Journey-Strategie:
KPIs: So messen Sie den Erfolg Ihrer B2B Customer Journey
Eine Customer Journey zu gestalten ist das eine — zu wissen, ob sie funktioniert, das andere. Hier sind die KPIs, die wirklich Aufschluss geben, sortiert nach Phase.
| Phase | KPI | Was er misst | B2B-Benchmark |
|---|---|---|---|
| Trigger / Awareness | Organische Sichtbarkeit (Impressionen) | Reichweite in der frühen Phase | Wachstum YoY > 20% |
| Awareness | Content Engagement Rate | Qualität der frühen Touchpoints | > 3 Min. Verweildauer |
| Consideration | MQL-Rate (Marketing Qualified Leads) | Übergang von Interesse zu Qualifikation | 5–15% aller Besucher |
| Consideration → Decision | Lead-to-Opportunity-Rate | Effizienz der Qualifikation | 20–30% |
| Decision | Abschlussrate (Win Rate) | Vertriebseffizienz in der Entscheidungsphase | 15–30% je Branche |
| Decision | Ø Sales Cycle Länge | Prozesseffizienz | Kürzung um 10–20% YoY |
| Decision | Customer Acquisition Cost (CAC) | Kosteneffizienz der Kundengewinnung | Max. 25–33% des ersten Jahresumsatzes |
| Onboarding | Time to First Value | Geschwindigkeit des Nutzenerlebnisses | < 30 Tage nach Abschluss |
| Retention | Net Revenue Retention (NRR) | Wachstum aus Bestandskunden | > 100% = Upselling überwiegt Churn |
| Advocacy | NPS (Net Promoter Score) | Weiterempfehlungsbereitschaft | B2B-Durchschnitt: 25–40 |
Checkliste: Ist Ihre B2B Customer Journey Enterprise-ready?
Nutzen Sie diese Checkliste, um den aktuellen Stand Ihrer B2B Customer Journey zu bewerten. Je mehr Punkte Sie mit „Ja” beantworten können, desto stärker ist Ihre Marktposition in den kritischen Kaufphasen.
Strategie & Grundlagen
- Buyer Personas für alle relevanten Buying-Center-Rollen sind dokumentiert
- Die typische Länge des Sales Cycles ist bekannt und wird gemessen
- Es existiert eine definierte Content-Strategie für alle Phasen der Customer Journey
- Touchpoints werden systematisch erfasst und ausgewertet
- Marketing und Vertrieb teilen eine gemeinsame Definition von MQL und SQL
Awareness & Sichtbarkeit
- Ihre Website rankt für die wichtigsten informativen B2B-Keywords der Trigger-Phase
- Sie haben regelmäßige Thought-Leadership-Inhalte (min. 2× pro Monat)
- LinkedIn wird als strategischer Kanal für die Awareness-Phase eingesetzt
- Es gibt Content, der spezifische Probleme Ihrer Zielgruppe adressiert — nicht nur Ihre Produkte
- Die Website-Verweildauer bei strategischen Inhalten liegt über 3 Minuten
Consideration & Entscheidung
- Es existieren mindestens 3 aktuelle Case Studies mit konkreten Ergebnissen
- Rollenspezifischer Content ist vorhanden (z.B. separate Inhalte für CFO vs. CTO)
- ROI-Kalkulatoren oder Business-Case-Vorlagen sind verfügbar
- Der Übergang von Marketing zu Vertrieb ist klar definiert (Lead-Scoring-System)
- Vertriebsmitarbeiter wissen, welche Inhalte ein Lead bereits konsumiert hat
Onboarding & Retention
- Es existiert ein dokumentierter Onboarding-Prozess mit klaren Meilensteinen
- „Time to First Value” ist gemessen und aktiv optimiert
- Regelmäßige Kundengespräche (QBRs) sind für alle Enterprise-Accounts geplant
- Net Revenue Retention (NRR) wird monatlich gemessen
- Es gibt einen strukturierten Prozess, um zufriedene Kunden zu Referenzgebern zu machen
Häufige Fragen zur B2B Customer Journey
Wie lange dauert eine typische B2B Customer Journey?
Das hängt stark von Produktkomplexität, Unternehmensgröße und Investitionshöhe ab. Als Richtwerte gelten: Einfache B2B-Produkte (unter 10.000 €) haben Zyklen von 1–3 Monaten. Mid-Market-Lösungen (10.000–100.000 €) dauern typischerweise 3–9 Monate. Enterprise-Deals (über 100.000 €) können 9–18 Monate und länger dauern. In dieser Zeit sind im Durchschnitt 59 Touchpoints dokumentiert.
Wie viele Entscheidungsträger sind typischerweise beteiligt?
Laut Gartner sind bei B2B-Kaufentscheidungen im Durchschnitt 6,8 Personen involviert. Bei Enterprise-Deals mit Investitionen über 500.000 € sind es häufig 10–15 Personen aus verschiedenen Abteilungen. Jede Rolle hat andere Informationsbedürfnisse — das macht das Buying Center zur größten Herausforderung im B2B-Vertrieb.
Was ist der Unterschied zwischen B2B Customer Journey und B2B Buyer Journey?
Die Begriffe werden oft synonym verwendet, bezeichnen aber leicht unterschiedliche Perspektiven. Die Buyer Journey fokussiert auf den Entscheidungsprozess des Käufers und seine Schritte bis zum Kauf. Die Customer Journey ist umfassender: Sie schließt den gesamten Lebenszyklus ein — von der ersten Wahrnehmung über den Kauf bis hin zu Retention und Advocacy. Im B2B-Kontext empfehle ich den umfassenderen Customer-Journey-Ansatz, weil der langfristige Kundenwert durch Verlängerungen und Erweiterungen häufig den Initialauftrag übersteigt.
Wie erstellt man eine Customer Journey Map für B2B?
Die fünf Kernschritte: (1) Buyer Personas für alle Buying-Center-Rollen erstellen, (2) alle bestehenden Touchpoints inventarisieren, (3) Kundenperspektive durch Interviews erheben, (4) Content-Gaps und Friction-Points identifizieren, (5) Maßnahmen priorisieren und Pipeline-Potenzial quantifizieren. Entscheidend ist, dass die Journey Map nicht im Workshop endet — sie muss in konkrete Maßnahmen für Marketing, Vertrieb und Customer Success überführt werden.
Warum verlässt Ihr Vertrieb die Customer Journey zu früh?
Der klassische Fehler: Der Vertrieb steigt in Phase 3 (Consideration) ein — aber die relevantesten Touchpoints für die spätere Entscheidung finden in Phase 1 und 2 statt. Wenn ein Entscheider in der Awareness-Phase Ihre Inhalte konsumiert hat, Ihre Positionierung versteht und Ihnen bereits vertraut, hat der Vertrieb in Phase 4 einen fundamentalen Vorteil. Ohne diese Vorarbeit kämpft er gegen vorher gefestigte Überzeugungen an.
Wie integriert man die B2B Customer Journey in bestehende CRM-Systeme?
Moderne CRM-Systeme (Salesforce, HubSpot, Microsoft Dynamics) ermöglichen Journey-Tracking über alle Phasen. Der Schlüssel: Website-Aktivitäten, Content-Konsumption und Sales-Interaktionen in einem zentralen System zusammenführen. So sieht der Vertrieb in Phase 4, welche Artikel ein Entscheider gelesen, welche Webinare er besucht und welche Themen ihn bewegt haben. Das ermöglicht hochrelevante, personalisierte Gespräche statt generischer Pitches.
Wie unterscheidet sich die B2B Customer Journey für E-Commerce?
Im B2B-E-Commerce verschiebt sich ein Teil der Consideration- und Decision-Phase in das digitale Self-Service-Format. Große Unternehmen ermöglichen heute Bestellungen über Online-Shops oder Portale, die früher ausschließlich über den Außendienst liefen. Die Journey-Grundstruktur bleibt gleich, aber die Touchpoints verschieben sich: Produktkonfiguratoren, Preisrechner, Self-Service-Portale und automatisierte Angebotsprozesse ersetzen schrittweise manuelle Vertriebsprozesse — und schaffen dabei mehr Effizienz auf beiden Seiten.
Fazit: Die B2B Customer Journey als strategischer Wettbewerbsvorteil
Die wichtigste Erkenntnis aus diesem Guide: 73% der B2B-Kaufentscheidung fallen, bevor Ihr Vertrieb involviert wird. Das bedeutet, dass der entscheidende Wettbewerbsvorteil nicht im Verkaufsgespräch entsteht — sondern in der Qualität Ihrer Präsenz in den frühen Phasen der Customer Journey B2B.
Unternehmen, die das verstehen, investieren systematisch in:
- Thought-Leadership-Content, der in der Trigger-Phase sichtbar ist
- Rollenspezifische Materialien für alle Buying-Center-Stakeholder
- Messbare Touchpoints entlang der gesamten Journey
- Nahtlose Übergaben zwischen Marketing, Vertrieb und Customer Success
Das ist kein kurzfristiges Marketingprojekt — es ist eine strategische Investition in die Struktur Ihres Wachstums. Die Unternehmen, die heute konsequent in ihre B2B Customer Journey investieren, gewinnen die Deals von morgen — in der Phase, in der Wettbewerber noch gar nicht auf dem Radar ihrer zukünftigen Kunden erscheinen.