7. Januar 2026

Wichtige Kennzahlen im E-Commerce: Der komplette KPI-Guide für Ihren Online-Shop

Werner Strauch
Werner Strauch E-Commerce Consultant & CTO
E-Commerce KPI Dashboard mit wichtigen Kennzahlen wie Revenue, Conversion Funnel und Customer Lifetime Value

Was unterscheidet erfolgreiche Online-Händler von denen, die trotz guter Produkte nicht vorankommen? Die Antwort liegt oft in den Zahlen – oder besser gesagt: im Verständnis der richtigen Zahlen. Denn wer nur auf den Umsatz schaut, sieht nur die Spitze des Eisbergs.

In diesem umfassenden Guide zeige ich Ihnen alle relevanten KPIs (Key Performance Indicators), die Sie für ein erfolgreiches E-Commerce-Business kennen müssen. Mit konkreten Formeln, Beispielrechnungen und Branchen-Benchmarks, damit Sie Ihre Kennzahlen nicht nur verstehen, sondern auch einordnen können.

Übersicht der sechs KPI-Kategorien im E-Commerce: Finanzen, Marketing, Kunden, Shop-Performance, Operations und Produkt
Die sechs Kernbereiche der E-Commerce-Kennzahlen

Warum KPIs im E-Commerce unverzichtbar sind

Viele Online-Händler machen einen fundamentalen Fehler: Sie konzentrieren sich ausschließlich auf den Umsatz. Dabei sagt der Umsatz allein wenig über die Gesundheit eines E-Commerce-Geschäfts aus. Ein Unternehmen kann Millionen umsetzen und trotzdem Geld verlieren – etwa weil die Kundenakquise zu teuer ist oder die Retourenquote den Gewinn auffrisst.

KPIs ermöglichen Ihnen:

  • Früherkennung von Problemen: Bevor sie sich auf den Umsatz auswirken
  • Fundierte Entscheidungen: Basierend auf Daten statt Bauchgefühl
  • Gezielte Optimierung: Sie wissen genau, wo der Hebel liegt
  • Vergleichbarkeit: Mit Branchenbenchmarks und der eigenen Historie

1. Finanz-KPIs: Die Grundlage Ihres Geschäftserfolgs

Die finanziellen Kennzahlen bilden das Fundament jeder E-Commerce-Analyse. Sie zeigen, ob Ihr Geschäftsmodell tragfähig ist.

Umsatz (Revenue)

Der Umsatz ist die offensichtlichste Kennzahl – aber achten Sie auf die Unterscheidung:

  • Bruttoumsatz: Gesamte Einnahmen vor Abzügen
  • Nettoumsatz: Bruttoumsatz abzüglich Retouren, Rabatte und Steuern

Formel Nettoumsatz:

Nettoumsatz gleich Bruttoumsatz minus Retouren minus Rabatte minus MehrwertsteuerNettoumsatz gleich Bruttoumsatz minus Retouren minus Rabatte minus Mehrwertsteuer
Nettoumsatz

Durchschnittlicher Bestellwert (AOV – Average Order Value)

Der AOV zeigt, wie viel ein Kunde im Durchschnitt pro Bestellung ausgibt. Er ist ein wichtiger Hebel für Profitabilität.

Formel:

AOV gleich Gesamtumsatz geteilt durch Anzahl der BestellungenAOV gleich Gesamtumsatz geteilt durch Anzahl der Bestellungen
AOV

Beispielrechnung:

  • Monatlicher Umsatz: 150.000 €
  • Anzahl Bestellungen: 2.000
  • AOV = 150.000 € / 2.000 = 75 €

Branchen-Benchmarks AOV:

BrancheDurchschnittlicher AOV
Mode & Bekleidung80–120 €
Elektronik150–300 €
Beauty & Kosmetik45–70 €
Möbel & Einrichtung200–500 €
Lebensmittel40–60 €

Deckungsbeitrag (Contribution Margin)

Der Deckungsbeitrag zeigt, was nach Abzug der variablen Kosten übrig bleibt. Er ist aussagekräftiger als der reine Umsatz.

Formel:

Deckungsbeitrag gleich Umsatz minus Variable KostenDeckungsbeitrag gleich Umsatz minus Variable Kosten
Deckungsbeitrag

Variable Kosten im E-Commerce umfassen typischerweise:

  • Wareneinsatz (Einkaufspreis)
  • Versandkosten
  • Zahlungsgebühren (PayPal, Kreditkarte etc.)
  • Verpackung
  • Marketingkosten (wenn auf Bestellung zurechenbar)

Beispielrechnung:

  • Verkaufspreis: 100 €
  • Einkaufspreis: 40 €
  • Versand: 5 €
  • Zahlungsgebühren: 3 €
  • Verpackung: 2 €
  • Deckungsbeitrag = 100 € - 50 € = 50 € (50 %)

Gewinnmarge

Die Gewinnmarge zeigt, wie viel Prozent vom Umsatz als Gewinn übrig bleiben.

Bruttomarge:

Bruttomarge gleich Umsatz minus Wareneinsatz geteilt durch Umsatz mal 100Bruttomarge gleich Umsatz minus Wareneinsatz geteilt durch Umsatz mal 100
Bruttomarge

Nettomarge:

Nettomarge gleich Gewinn nach allen Kosten geteilt durch Umsatz mal 100Nettomarge gleich Gewinn nach allen Kosten geteilt durch Umsatz mal 100
Nettomarge

Branchen-Benchmarks Bruttomarge:

BrancheTypische Bruttomarge
Mode50–60 %
Elektronik15–25 %
Beauty60–70 %
Möbel40–50 %
Lebensmittel20–35 %

Break-Even-Point

Der Break-Even-Point zeigt, ab wann Sie profitabel arbeiten.

Formel:

Break-Even gleich Fixkosten geteilt durch Deckungsbeitrag pro EinheitBreak-Even gleich Fixkosten geteilt durch Deckungsbeitrag pro Einheit
Break-Even

Beispielrechnung:

  • Monatliche Fixkosten: 20.000 €
  • Deckungsbeitrag pro Bestellung: 50 €
  • Break-Even = 20.000 € / 50 € = 400 Bestellungen

Sie müssen also mindestens 400 Bestellungen pro Monat generieren, um kostendeckend zu arbeiten.


2. Marketing-KPIs: Die Effizienz Ihrer Kundenakquise

Marketing-Kennzahlen zeigen, wie effizient Sie neue Kunden gewinnen und bestehende Kunden reaktivieren.

Visualisierung der wichtigsten Marketing-KPIs: CLV (Customer Lifetime Value), CAC (Customer Acquisition Cost) und ROAS (Return on Ad Spend) mit Formeln und Beispielrechnungen
Die drei wichtigsten Marketing-Formeln im Überblick

Customer Acquisition Cost (CAC)

Die Kundenakquisitionskosten zeigen, wie viel Sie ausgeben müssen, um einen neuen Kunden zu gewinnen.

Formel:

CAC gleich Marketing- und Vertriebskosten geteilt durch Anzahl NeukundenCAC gleich Marketing- und Vertriebskosten geteilt durch Anzahl Neukunden
CAC

Beispielrechnung:

  • Marketingausgaben im Monat: 15.000 €
  • Vertriebskosten: 5.000 €
  • Gewonnene Neukunden: 500
  • CAC = 20.000 € / 500 = 40 €

Branchen-Benchmarks CAC:

BrancheTypischer CAC
Mode30–50 €
Beauty20–40 €
Elektronik50–100 €
Möbel100–200 €
Abo-Modelle50–150 €

Return on Ad Spend (ROAS)

Der ROAS zeigt, wie viel Umsatz jeder investierte Werbe-Euro generiert.

Formel:

ROAS gleich Umsatz aus Werbung geteilt durch WerbeausgabenROAS gleich Umsatz aus Werbung geteilt durch Werbeausgaben
ROAS

Beispielrechnung:

  • Google Ads Ausgaben: 5.000 €
  • Generierter Umsatz: 25.000 €
  • ROAS = 25.000 € / 5.000 € = 5,0 (oder 500 %)

Was bedeutet der ROAS-Wert?

ROASBewertung
< 2,0Kritisch – prüfen Sie Ihre Kampagnen
2,0–3,0Ausreichend, aber Optimierungspotenzial
3,0–5,0Gut – solide Performance
> 5,0Sehr gut – skalieren Sie!

Cost per Click (CPC) und Cost per Mille (CPM)

CPC (Kosten pro Klick):

CPC gleich Werbeausgaben geteilt durch Anzahl KlicksCPC gleich Werbeausgaben geteilt durch Anzahl Klicks
CPC

CPM (Kosten pro 1.000 Impressionen):

CPM gleich Werbeausgaben geteilt durch Impressionen mal 1000CPM gleich Werbeausgaben geteilt durch Impressionen mal 1000
CPM

Branchen-Benchmarks CPC (Google Ads):

BrancheDurchschnittlicher CPC
Mode0,50–1,50 €
Elektronik0,80–2,00 €
Beauty0,40–1,20 €
Möbel1,00–3,00 €
B2B2,00–5,00 €

Click-Through-Rate (CTR)

Die CTR zeigt, wie viel Prozent der Nutzer, die Ihre Anzeige sehen, auch darauf klicken.

Formel:

CTR gleich Klicks geteilt durch Impressionen mal 100CTR gleich Klicks geteilt durch Impressionen mal 100
CTR

Branchen-Benchmarks CTR:

KanalGute CTR
Google Search Ads2–5 %
Google Display Ads0,3–0,5 %
Facebook/Instagram Ads0,9–1,5 %
E-Mail-Marketing2–4 %

Conversion Rate (CVR)

Die Conversion Rate ist eine der wichtigsten Kennzahlen überhaupt. Sie zeigt, wie viel Prozent Ihrer Besucher tatsächlich kaufen.

Formel:

Conversion Rate gleich Anzahl Käufe geteilt durch Anzahl Besucher mal 100Conversion Rate gleich Anzahl Käufe geteilt durch Anzahl Besucher mal 100
Conversion Rate

Beispielrechnung:

  • Website-Besucher im Monat: 50.000
  • Bestellungen: 1.000
  • CVR = (1.000 / 50.000) × 100 = 2,0 %

Branchen-Benchmarks Conversion Rate:

BrancheDurchschnittliche CVR
Mode1,5–2,5 %
Elektronik1,0–2,0 %
Beauty2,5–3,5 %
Möbel0,5–1,5 %
Lebensmittel3,0–5,0 %

Marketing Efficiency Ratio (MER)

Der MER (auch Blended ROAS genannt) betrachtet das gesamte Marketing im Verhältnis zum Gesamtumsatz.

Formel:

MER gleich Gesamtumsatz geteilt durch gesamte MarketingausgabenMER gleich Gesamtumsatz geteilt durch gesamte Marketingausgaben
MER

Beispielrechnung:

  • Monatlicher Gesamtumsatz: 200.000 €
  • Gesamte Marketingausgaben: 40.000 €
  • MER = 200.000 € / 40.000 € = 5,0

Der MER ist aussagekräftiger als einzelne Kanal-ROAS-Werte, weil er Attribution-Probleme umgeht und das große Ganze zeigt.


3. Kunden-KPIs: Der Wert Ihrer Kundenbeziehungen

Kundenorientierte Kennzahlen zeigen, wie wertvoll Ihre Kundenbeziehungen sind und wie gut Sie Kunden binden.

Customer Lifetime Value (CLV)

Der CLV zeigt, wie viel Umsatz ein Kunde im Laufe seiner gesamten Beziehung zu Ihrem Unternehmen generiert.

Einfache Formel:

CLV gleich AOV mal Kauffrequenz mal KundenlebensdauerCLV gleich AOV mal Kauffrequenz mal Kundenlebensdauer
CLV

Beispielrechnung:

  • Durchschnittlicher Bestellwert: 80 €
  • Käufe pro Jahr: 3
  • Durchschnittliche Kundenbeziehung: 4 Jahre
  • CLV = 80 € × 3 × 4 = 960 €

Erweiterte Formel (mit Marge):

CLV Profit gleich AOV mal Kauffrequenz mal Kundenlebensdauer mal BruttomargeCLV Profit gleich AOV mal Kauffrequenz mal Kundenlebensdauer mal Bruttomarge
%
CLV (Profit)

Mit 50 % Bruttomarge:

  • CLV (Profit) = 960 € × 0,5 = 480 €

CLV:CAC Ratio

Das Verhältnis von Customer Lifetime Value zu Customer Acquisition Cost zeigt die Rentabilität Ihrer Kundenakquise.

Formel:

CLV zu CAC Ratio gleich CLV geteilt durch CACCLV zu CAC Ratio gleich CLV geteilt durch CAC
CLV:CAC

Beispielrechnung:

  • CLV: 480 € (Profit-Basis)
  • CAC: 60 €
  • CLV:CAC Ratio = 480 € / 60 € = 8:1

Bewertung:

RatioBewertung
< 1:1Kritisch – Sie verlieren Geld
1:1–3:1Problematisch – wenig Marge
3:1–5:1Gesund – gutes Geschäftsmodell
> 5:1Sehr gut – Skalierungspotenzial

Wiederkaufrate (Repeat Purchase Rate)

Die Wiederkaufrate zeigt, wie viel Prozent Ihrer Kunden mehr als einmal kaufen.

Formel:

Wiederkaufrate gleich Kunden mit mehr als einer Bestellung geteilt durch Gesamtzahl Kunden mal 100Wiederkaufrate gleich Kunden mit mehr als einer Bestellung geteilt durch Gesamtzahl Kunden mal 100
Wiederkaufrate

Branchen-Benchmarks:

BrancheGute Wiederkaufrate
Mode25–40 %
Beauty/Kosmetik35–50 %
Lebensmittel50–70 %
Elektronik15–25 %

Kundenabwanderung (Churn Rate)

Die Churn Rate zeigt, wie viele Kunden Sie in einem bestimmten Zeitraum verlieren. Besonders relevant für Abo-Modelle.

Formel:

Churn Rate gleich verlorene Kunden geteilt durch Kunden zu Beginn mal 100Churn Rate gleich verlorene Kunden geteilt durch Kunden zu Beginn mal 100
Churn Rate

Beispielrechnung:

  • Kunden zu Monatsbeginn: 5.000
  • Kündigungen im Monat: 150
  • Churn Rate = (150 / 5.000) × 100 = 3 %

Jährliche Churn Rate:

  • Monatlich 3 % bedeutet ca. 30 % jährliche Abwanderung

Net Promoter Score (NPS)

Der NPS misst die Kundenzufriedenheit und Weiterempfehlungsbereitschaft.

Berechnung:

  1. Frage: “Wie wahrscheinlich empfehlen Sie uns weiter?” (0–10)
  2. Promotoren: Antworten 9–10
  3. Detraktoren: Antworten 0–6
  4. NPS = % Promotoren - % Detraktoren

Bewertung:

NPSBewertung
< 0Kritisch
0–30Verbesserungsbedarf
30–50Gut
50–70Sehr gut
> 70Hervorragend

4. Shop-Performance-KPIs: Die Effizienz Ihres Online-Shops

Diese Kennzahlen zeigen, wie gut Ihr Shop Besucher in Käufer verwandelt.

Conversion Rate nach Traffic-Quelle

Nicht jeder Traffic konvertiert gleich gut. Analysieren Sie die CVR nach Kanal:

Traffic-QuelleTypische CVR
Direct Traffic2,5–4,0 %
E-Mail3,0–5,0 %
Organic Search2,0–3,0 %
Paid Search1,5–2,5 %
Social Media0,5–1,5 %
Display Ads0,3–0,8 %

Warenkorbabbruchrate (Cart Abandonment Rate)

Die Warenkorbabbruchrate zeigt, wie viele Kunden den Warenkorb füllen, aber nicht kaufen.

Formel:

Warenkorbabbruchrate gleich 1 minus abgeschlossene Käufe geteilt durch erstellte Warenkörbe mal 100Warenkorbabbruchrate gleich 1 minus abgeschlossene Käufe geteilt durch erstellte Warenkörbe mal 100
Abbruchrate

Beispielrechnung:

  • Erstellte Warenkörbe: 10.000
  • Abgeschlossene Käufe: 3.000
  • Cart Abandonment = (1 - 3.000/10.000) × 100 = 70 %

Branchen-Durchschnitt: 65–75 %

Häufige Gründe für Warenkorbabbrüche:

  1. Unerwartete Versandkosten (48 %)
  2. Account-Erstellung erforderlich (24 %)
  3. Komplizierter Checkout (18 %)
  4. Vertrauensbedenken (17 %)
  5. Website-Fehler (13 %)

Bounce Rate

Die Bounce Rate zeigt, wie viele Besucher die Seite sofort wieder verlassen.

Formel:

Bounce Rate gleich Besuche mit nur einer Seite geteilt durch Gesamtbesuche mal 100Bounce Rate gleich Besuche mit nur einer Seite geteilt durch Gesamtbesuche mal 100
Bounce Rate

Richtwerte:

SeitentypAkzeptable Bounce Rate
Homepage30–50 %
Kategorieseite25–40 %
Produktseite20–35 %
Blog-Artikel60–80 %
Landing Page30–50 %

Durchschnittliche Sitzungsdauer & Seiten pro Sitzung

Sitzungsdauer: Wie lange bleibt ein Besucher auf Ihrer Website?

  • E-Commerce-Durchschnitt: 2–3 Minuten
  • Zielwert: > 3 Minuten

Seiten pro Sitzung: Wie viele Seiten besucht ein Nutzer?

  • E-Commerce-Durchschnitt: 4–5 Seiten
  • Zielwert: > 5 Seiten

5. Operations-KPIs: Die Effizienz Ihrer Prozesse

Operative Kennzahlen zeigen, wie effizient Ihre Logistik und Abwicklung funktionieren.

Retourenquote

Die Retourenquote ist besonders im deutschen E-Commerce ein kritischer Faktor.

Formel:

Retourenquote gleich retournierte Bestellungen geteilt durch Gesamtbestellungen mal 100Retourenquote gleich retournierte Bestellungen geteilt durch Gesamtbestellungen mal 100
Retourenquote

Branchen-Benchmarks Deutschland:

BrancheDurchschnittliche Retourenquote
Mode40–50 %
Schuhe45–55 %
Elektronik10–15 %
Möbel5–10 %
Beauty5–10 %
Lebensmittel1–3 %

Fulfillment-Zeit

Die Zeit von Bestelleingang bis zum Versand.

Benchmarks:

  • Same-Day-Shipping: Bestellung bis 14 Uhr = Versand am selben Tag
  • Standard: 24–48 Stunden
  • Akzeptabel: bis 72 Stunden

Lagerumschlagshäufigkeit

Zeigt, wie oft der Lagerbestand im Jahr komplett verkauft und ersetzt wird.

Formel:

Lagerumschlag gleich Wareneinsatz pro Jahr geteilt durch durchschnittlichen LagerbestandLagerumschlag gleich Wareneinsatz pro Jahr geteilt durch durchschnittlichen Lagerbestand
Lagerumschlag

Beispielrechnung:

  • Jährlicher Wareneinsatz: 600.000 €
  • Durchschnittlicher Lagerbestand: 100.000 €
  • Lagerumschlag = 600.000 € / 100.000 € = 6

Das bedeutet: Der Lagerbestand wird 6× pro Jahr umgeschlagen (alle 2 Monate).

Branchen-Benchmarks:

BrancheTypischer Lagerumschlag
Mode (Fast Fashion)8–12×
Mode (Premium)4–6×
Elektronik6–10×
Lebensmittel15–25×
Möbel3–5×

Out-of-Stock-Rate

Zeigt, wie oft Produkte nicht verfügbar sind.

Formel:

Out-of-Stock-Rate gleich nicht verfügbare SKUs geteilt durch Gesamt-SKUs mal 100Out-of-Stock-Rate gleich nicht verfügbare SKUs geteilt durch Gesamt-SKUs mal 100
OOS-Rate

Zielwert: < 5 %

Jedes Out-of-Stock bedeutet verlorenen Umsatz und potenziell einen verlorenen Kunden, der beim Wettbewerber kauft.


6. Produkt-KPIs: Die Performance Ihres Sortiments

Produktbezogene Kennzahlen helfen bei Sortimentsentscheidungen.

Bestseller-Analyse

Identifizieren Sie Ihre Top-Produkte nach verschiedenen Kriterien:

  • Top 10 nach Umsatz: Ihre Umsatztreiber
  • Top 10 nach Marge: Ihre Gewinnbringer
  • Top 10 nach Stückzahl: Ihre Volumenbringer

Produktmarge pro SKU

Formel:

Produktmarge gleich Verkaufspreis minus Einkaufspreis minus Variable Kosten geteilt durch Verkaufspreis mal 100Produktmarge gleich Verkaufspreis minus Einkaufspreis minus Variable Kosten geteilt durch Verkaufspreis mal 100
Produktmarge

Sortieren Sie Ihr Sortiment nach Marge und identifizieren Sie:

  • Stars: Hohe Marge, hoher Absatz → Bewerben und pushen
  • Cash Cows: Niedrige Marge, hoher Absatz → Traffic-Bringer
  • Question Marks: Hohe Marge, niedriger Absatz → Marketing-Potenzial
  • Dogs: Niedrige Marge, niedriger Absatz → Aussortieren

Sell-Through-Rate

Zeigt, wie schnell sich ein Produkt verkauft.

Formel:

Sell-Through-Rate gleich verkaufte Einheiten geteilt durch eingekaufte Einheiten mal 100Sell-Through-Rate gleich verkaufte Einheiten geteilt durch eingekaufte Einheiten mal 100
Sell-Through

Beispielrechnung:

  • Eingekaufte Menge: 500 Stück
  • Verkauft in 30 Tagen: 350 Stück
  • Sell-Through = (350 / 500) × 100 = 70 %

Bewertung:

  • 80 %: Nachbestellen, evtl. Preis erhöhen

  • 50–80 %: Gute Performance
  • < 50 %: Marketingmaßnahmen oder Preissenkung prüfen

7. KPI-Dashboard & Tools

Um all diese Kennzahlen im Blick zu behalten, brauchen Sie die richtigen Tools.

Google Analytics 4

Kostenlos und unverzichtbar für:

  • Traffic-Analyse
  • Conversion-Tracking
  • E-Commerce-Tracking (Umsatz, AOV, CVR)
  • Nutzerverhalten

Setup-Tipp: Richten Sie Enhanced E-Commerce Tracking ein, um detaillierte Daten zu Warenkörben, Produktperformance und Checkout-Funnel zu erhalten.

Shopify Analytics / WooCommerce Reports

Direkt in Ihrem Shop-System:

  • Umsatz und Bestellungen
  • Produktperformance
  • Kundenstatistiken
  • Marketingkanal-Attribution

Klaviyo (E-Mail-Marketing)

Speziell für E-Mail-KPIs:

  • Öffnungsrate
  • Klickrate
  • Umsatz pro E-Mail
  • Abmelderaten
  • CLV-Tracking

Triple Whale / Northbeam (Attribution)

Für fortgeschrittene Marketing-Attribution:

  • Cross-Channel-Attribution
  • Blended ROAS / MER
  • CAC und CLV Tracking
  • Cohort-Analysen

Eigenes Dashboard

Für einen schnellen Überblick empfehle ich ein wöchentliches KPI-Dashboard mit den wichtigsten Kennzahlen:

KPIZielwertAktuellTrend
Umsatz200.000 €?↑↓
AOV80 €?↑↓
Conversion Rate2,5 %?↑↓
ROAS4,0?↑↓
CAC< 50 €?↑↓
Retourenquote< 30 %?↑↓

Fazit: KPIs als Kompass für Ihren E-Commerce-Erfolg

Kennzahlen sind kein Selbstzweck – sie sind Ihr Navigationssystem für datenbasierte Entscheidungen. Die wichtigsten Erkenntnisse:

  1. Fokus auf Profitabilität: Umsatz ist wichtig, aber Deckungsbeitrag und Marge entscheiden über den Erfolg.

  2. CLV:CAC Ratio als Nordstern: Diese Kennzahl zeigt, ob Ihr Geschäftsmodell nachhaltig skalierbar ist.

  3. Conversion Rate optimieren: Oft der größte Hebel – eine kleine Verbesserung wirkt sich auf alle anderen KPIs aus.

  4. Retouren im Griff behalten: Besonders in Deutschland ein entscheidender Kostenfaktor.

  5. Regelmäßig messen und handeln: Ein Dashboard, das niemand anschaut, bringt nichts. Etablieren Sie einen wöchentlichen KPI-Review.

Nutzen Sie KPIs auch im Zusammenspiel mit modernen Technologien. Wie KI im E-Commerce Ihnen dabei helfen kann, diese Kennzahlen zu verbessern – von automatisierten Produkttexten bis zu personalisierten Empfehlungen – erfahren Sie in meinem separaten Artikel.

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