Ein Produkt hat eine ungültige GTIN. Google zeigt es nur noch eingeschränkt. Amazon blendet das Angebot aus. Und ChatGPT empfiehlt es nicht, weil es in Googles Shopping-Ergebnissen fehlt. Ein einziger Datenfehler kostet Sie damit Umsatz in drei Kanälen gleichzeitig.
Die meisten Artikel zur Produktdatenqualität kommen von PIM-Herstellern. Sie erklären Definitionen und enden beim eigenen Tool. Dieser Leitfaden ist herstellerneutral. Er richtet sich an Geschäftsführer und E-Commerce-Verantwortliche von Onlineshops und D2C-Marken im DACH-Raum. Sie erfahren, was schlechte Produktdaten konkret kosten, wie sich Fehler in jedem Kanal auswirken und wie Sie in 30 Tagen die größten Lücken schließen.
Die Kurzantwort
Was ist Produktdatenqualität? Produktdatenqualität beschreibt, wie vollständig, richtig, einheitlich und aktuell die Daten zu Ihren Produkten sind. Gemeint sind alle Kanäle: Shop, Google, Marktplätze und KI-Assistenten.
Was kosten schlechte Produktdaten? Sie kosten an drei Stellen. Erstens Retouren: Laut KPMG und EHI nennen 60,4 Prozent der Online-Käufer in Deutschland eine ungenaue Beschreibung oder abweichende Bilder als Grund für Rücksendungen (Dezember 2025). Zweitens Sichtbarkeit: Fehlerhafte Artikel werden bei Google eingeschränkt und auf Marktplätzen ausgeblendet. Drittens interne Arbeitszeit für Korrekturen.
Was zählt für die KI-Suche? Vor allem ein sauberer Google-Shopping-Feed und sichtbarer, vollständiger Text auf der Produktseite. Strukturierte Daten und llms.txt helfen dagegen kaum, in KI-Antworten genannt zu werden.
Was ist Produktdatenqualität?
Produktdaten sind alle Informationen, die ein Produkt beschreiben. Dazu gehören Stammdaten wie GTIN, Marke, Preis und Gewicht. Dazu gehören auch Merkmale wie Material, Größe und Farbe, außerdem Texte, Bilder, Pflichtangaben und Varianten.
Gute Produktdaten erfüllen sechs Anforderungen. Die ersten vier finden Sie in fast jedem Ratgeber. Die letzten beiden sind durch die KI-Suche wichtig geworden.
| Dimension | Frage | Typischer Fehler |
|---|---|---|
| Vollständigkeit | Sind alle Pflicht- und Kaufmerkmale je Kanal gefüllt? | Material fehlt, keine GTIN, keine Größenangabe |
| Richtigkeit | Stimmen die Angaben mit dem echten Produkt überein? | falsches Maß, falsche Farbe, veraltetes Bild |
| Einheitlichkeit | Sagen Shop, Feed und Marktplatz dasselbe? | Feed meldet „auf Lager“, Shop zeigt „ausverkauft“ |
| Aktualität | Sind Preis, Bestand und Lieferzeit tagesaktuell? | Preisänderung kommt erst am nächsten Tag im Feed an |
| Reichhaltigkeit | Beantworten die Daten die Fragen der Käufer? | kein Einsatzzweck, keine Kompatibilität, keine Pflegehinweise |
| KI-Lesbarkeit | Können Maschinen die Angaben eindeutig auslesen? | Maße nur im Bild, technische Daten nur im PDF, Varianten als Fließtext |
Eine Studie der Hochschule Aalen zeigt, wie Händler das gewichten: 94 Prozent halten Korrektheit für wichtig, 88 Prozent Vollständigkeit, 81 Prozent Aktualität. Nur 30 Prozent hatten aber vollständig festgelegt, wie Produktdaten gepflegt werden. Die Studie ist von 2017. Neuere Zahlen dazu gibt es für den DACH-Raum nicht.
Was schlechte Produktdaten kosten: die Zahlen
Im Netz kursieren viele Zahlen zu schlechten Produktdaten. Viele davon haben keine nachvollziehbare Quelle. Die folgende Tabelle zeigt nur Zahlen, die sich bis zur Studie zurückverfolgen lassen.
| Zahl | Quelle und Jahr | Stichprobe | Anbieterstudie |
|---|---|---|---|
| 60,4 % nennen ungenaue Beschreibung oder abweichende Bilder als Retourengrund | KPMG mit EHI, Dezember 2025 | 500 Online-Käufer, Deutschland | nein |
| 36,6 % bestellen nach einer schlechten Retourenerfahrung nicht mehr beim Händler | KPMG mit EHI, Dezember 2025 | 500 Online-Käufer, Deutschland | nein |
| rund 560 Mio. Retourenpakete in Deutschland, fast jedes vierte Paket | Uni Bamberg (Asdecker), Prognose 2026 | Hochrechnung | nein |
| über ein Viertel der Händler kennt die eigenen Kosten pro Retoure nicht | EHI Retourenmanagement 2026 | Händlerbefragung | nein |
| 31 % recherchieren Produkte mit KI-Chatbots, davon 35 % häufiger als mit Suchmaschinen | ECC Club Köln (IFH), Oktober 2025 | 1.000 Befragte, Deutschland | nein |
| 44 % haben einen Kauf wegen unzureichender Produktinfos abgebrochen | Syndigo, Juni 2025 | über 8.500 Befragte in 6 Ländern inkl. Deutschland | ja |
| 65 % der Deutschen ziehen eine Marke bei lückenhafter Darstellung seltener in Betracht | Syndigo, Juni 2025 | Teilstichprobe Deutschland | ja |
| 54 % haben einen Kauf wegen widersprüchlicher Produktinfos abgebrochen | Salsify, 2025 | 1.910 Befragte, USA und UK | ja |
Die wichtigste Zahl für den deutschen Markt ist die erste. Sie stammt aus einer unabhängigen Befragung und betrifft direkt Ihre Kosten. Ungenaue Beschreibungen und abweichende Bilder liegen auf Platz vier der Retourengründe. Davor liegen nur Qualitätsmängel, falsche Größe und Beschädigung. Auch die falsche Größe ist oft ein Datenproblem: Die Größentabelle fehlt oder passt nicht zum Produkt.
Diese Zahlen kursieren, sind aber nicht belegt
Einige Zahlen tauchen in vielen Artikeln auf. Verwenden Sie sie nicht für Ihren Business Case:
- „Schlechte Daten kosten Unternehmen 12,9 Millionen Dollar pro Jahr“ (Gartner): Die Zahl betrifft Unternehmensdaten allgemein, nicht Produktdaten. Sie beruht auf Selbstauskünften von 2020. Im Umlauf sind auch 9,7 und 14,2 Millionen.
- „GTINs bringen bis zu 40 Prozent mehr Klicks“ (Google): Die Aussage stammt aus der Zeit um 2016. Auf den aktuellen Hilfeseiten von Google steht sie nicht mehr.
- „88 Prozent brechen ab“, „Conversion plus 40 Prozent“: Solche Werte stehen in deutschen Ratgebern oft ohne jede Quelle.
- „Enhanced Content steigert die Conversion um bis zu 90 Prozent“: Werbeaussagen von Anbietern ohne veröffentlichtes Testdesign.
Ein Datenkern, drei Regale
Ihre Produktdaten landen heute in drei „Regalen“: bei Google, auf Marktplätzen und in KI-Assistenten. Alle drei lesen im Kern dieselben Felder: GTIN, Marke, Titel, Varianten, Preis, Bestand, Versand, Rückgabe und Merkmale. Ein Fehler in diesen Feldern wirkt deshalb fast immer in mehreren Kanälen gleichzeitig.
| Datenfehler | Google Shopping | Marktplätze | KI-Suche |
|---|---|---|---|
| GTIN fehlt oder ist ungültig | Ablehnung oder eingeschränkte Leistung | Angebot wird abgelehnt oder ausgeblendet | Produkt fehlt in Googles Ergebnissen und damit meist auch in ChatGPT |
| Pflichtmerkmal fehlt (z. B. Größe, Farbe, Material) | eingeschränkte Leistung, bei Bekleidung Pflicht | Angebot ungültig oder unterdrückt | Produkt passt nicht zur Frage des Nutzers und wird nicht genannt |
| Preis oder Bestand weicht von der Produktseite ab | Artikel werden vorsorglich abgelehnt, im Wiederholungsfall Kontosperre | Stornos, schlechtere Kontobewertung | falsche Empfehlung, Vertrauensverlust |
| Bild zu klein, Platzhalter oder Werbeaufdruck | Ablehnung; ab 31.01.2027 mindestens 500 × 500 Pixel | Ablehnung bei der Prüfung | schwächere Darstellung |
| GPSR-Angaben fehlen | Hinweis im Merchant Center, Abmahnrisiko auf der Produktseite | Angebot wird blockiert (Amazon, OTTO) | kein direkter Effekt, aber Risiko bleibt |
| Varianten falsch gruppiert | Dubletten, falsche Variante wird gezeigt | falsche Zuordnung im Katalog | falsche Größe oder Farbe wird empfohlen |
Google: Ablehnung, „eingeschränkte Leistung“, Kontosperre
Google prüft jeden Artikel im Merchant Center. Fehlt eine Pflichtangabe, wird der Artikel abgelehnt. Fehlen Angaben wie Marke oder GTIN, zeigt Google das Produkt oft weiter, aber mit „eingeschränkter Leistung“. Das bedeutet weniger Impressionen und Klicks. Weichen Preis oder Verfügbarkeit im Feed von der Produktseite ab, lehnt Google Artikel vorsorglich ab. Bei Verstößen auf Kontoebene folgt meist nach 28 Tagen Warnfrist die Sperre des Kontos.
Zwei Termine sind jetzt wichtig:
- Seit dem 18. August 2026 ist die alte Content API ausgelaufen. Shop-Plugins und Feed-Tools, die nicht auf die neue Merchant API umgestellt haben, verlieren ihre Verbindung. Mehr dazu im Leitfaden zum Google Merchant Center Feed.
- Ab dem 31. Januar 2027 müssen alle Produktbilder mindestens 500 × 500 Pixel groß sein. Das Merchant Center warnt schon jetzt bei zu kleinen Bildern. Hochskalierte Bilder will Google nicht.
Marktplätze: Die GTIN ist der Schlüssel
Auf fast allen Marktplätzen ordnet die GTIN (in Europa meist die EAN) Ihr Angebot dem richtigen Produkt im Katalog zu. Ist sie ungültig, nicht bei GS1 registriert oder doppelt vergeben, wird das Angebot abgelehnt oder ausgeblendet.
- Amazon prüft GTINs gegen die Datenbank von GS1. Ungültige Nummern können zur Unterdrückung des Angebots führen. Auch fehlende Pflichtmerkmale, ein nicht konformes Hauptbild oder zu lange Titel führen dazu. Amazon führt immer wieder neue Pflichtfelder ein. Bestehende Angebote können dann nachträglich ausgeblendet werden.
- Kaufland zeigt Produkte mit fehlenden Pflichtmerkmalen nicht an. Welche Merkmale Pflicht sind, hängt von der Kategorie ab. Kaufland schreibt selbst, dass bessere Produktseiten Retouren und Reklamationen senken können.
- OTTO Market verlangt Pflichtmerkmale je Kategorie und die GPSR-Herstellerangaben für jeden einzelnen Artikel.
- Zalando braucht für jeden Artikel eine gültige 13-stellige EAN und ordnet Größen dem eigenen Größensystem zu.
- Galaxus ignoriert Datensätze ohne GTIN. Ohne bestimmte Pflichtmerkmale je Produkttyp geht ein Produkt nicht online.
KI-Suche: Ihr Google-Feed ist Ihr ChatGPT-Feed
Für die KI-Suche gibt es eine wichtige Erkenntnis aus dem Jahr 2026. Peec AI hat mit der Agentur Precis über eine Million Shopping-Anfragen in ChatGPT untersucht. Das Ergebnis: Alle Produkte, die ChatGPT Shopping zeigte, fanden sich auch unter den Top 40 der organischen Google-Shopping-Ergebnisse. Bing erklärte nur 11 Prozent. ChatGPT sortiert die Produkte neu. Die Auswahl kommt aber faktisch aus Google.
Daraus folgt: Wer bei Google Shopping fehlt oder schwach dasteht, fehlt meist auch in ChatGPT. Ein sauberer Merchant-Center-Feed ist damit der wichtigste Hebel für die KI-Suche. Wie Sie ChatGPT Shopping zusätzlich direkt beliefern, steht im Artikel zu ChatGPT Shopping für Onlinehändler.
Die Studie zeigt noch zwei Dinge:
- Produkte, die bei bewerteten Merkmalen unter drei Sternen liegen, tauchen praktisch nicht auf.
- ChatGPT ergänzt Anfragen um Wörter wie „beste“, „Test“, „2026“ oder „vs“. Fehlen die gesuchten Begriffe in Feed und Produktseite, sinkt die Chance, gefunden zu werden.
Das Regal in der KI-Suche ist außerdem viel kleiner. Laut einer Auswertung des Anbieters Productrise zeigt Google AI Mode nur bei 23 Prozent der Shopping-Anfragen überhaupt Produkte. Wenn, dann im Schnitt 4,3 statt 22,5 Angebote wie in der klassischen Suche. Wer nicht unter den wenigen genannten Produkten ist, wird nicht gesehen.
Was für die KI-Suche wirklich zählt und was überschätzt wird
Viele Agenturen versprechen schnelle Erfolge in der KI-Suche durch strukturierte Daten oder eine llms.txt-Datei. Die Datenlage sagt etwas anderes.
| Maßnahme | Wirkung | Beleg |
|---|---|---|
| Vollständiger Merchant-Center-Feed | hoch: Grundlage für Google AI Mode, Gemini und laut Studie auch ChatGPT | Google AI-Leitfaden 07/2026, Peec AI und Precis 06/2026 |
| Sichtbarer, vollständiger Text auf der Produktseite | hoch: KI liest vor allem den sichtbaren Inhalt | searchVIU 10/2025: kein KI-System las einen Preis, der nur im Code stand |
| Gleiche Angaben in Feed, Produktseite und Code | hoch: Widersprüche führen zu Ablehnung und falschen Antworten | Google-Richtlinien zum Merchant Center |
| Neue Merkmale im Merchant Center (Fragen und Antworten, Dokumente, verwandte Produkte) | wahrscheinlich hoch: gezielt für KI-Antworten eingeführt | Google Marketing Live 05/2026 |
| Bewertungen zu einzelnen Merkmalen | mittel bis hoch: schwach bewertete Produkte fallen raus | Peec AI und Precis 06/2026 |
| Strukturierte Daten (schema.org) neu hinzufügen | gering für KI-Zitate, wichtig für Rich Results | Ahrefs 2026: kein messbarer Effekt auf KI-Zitate |
| llms.txt | kaum: Google nutzt die Datei nicht | Google AI-Leitfaden 07/2026 |
Google schreibt in seinem Leitfaden zur KI-Optimierung vom Juli 2026 klar: Strukturierte Daten sind für KI-Funktionen nicht erforderlich, und es gibt kein spezielles Schema dafür. Google empfiehlt aber Merchant-Center-Feeds, damit Produkte in KI-Antworten erscheinen. Ahrefs hat 2026 knapp 1.900 Seiten mit neu hinzugefügten strukturierten Daten mit 4.000 Vergleichsseiten verglichen. Das Ergebnis: Die KI-Zitate stiegen nicht messbar.
Strukturierte Daten bleiben trotzdem sinnvoll. Sie sorgen für Sterne, Preise und Lieferinfos in den normalen Suchergebnissen. Sie sind nur kein Wundermittel für die KI-Suche.
Zur Einordnung: Laut ECC Köln nutzen 31 Prozent der Deutschen schon KI-Chatbots für die Produktsuche. Kaufen lassen wollen sie die KI aber kaum: Nur 9 Prozent würden einen Kauf mit Bezahlung abgeben. Der Checkout direkt in Google AI Mode und Gemini läuft bisher nur in den USA. Für DACH-Händler geht es 2026 also um Sichtbarkeit in der Recherche, nicht um Verkäufe im Chat.
Produktdaten als Rechtspflicht: 2026 und 2027
Produktdatenqualität ist längst nicht mehr nur eine Frage von Umsatz. Mehrere Gesetze schreiben vor, welche Angaben auf der Produktseite stehen müssen. Fehlen sie, drohen Abmahnungen, und Marktplätze sperren Angebote.
| Regel | Was in die Produktdaten muss | Gilt seit oder ab | Risiko |
|---|---|---|---|
| Produktsicherheitsverordnung (GPSR) und neues Produktsicherheitsgesetz | Hersteller mit Anschrift und E-Mail, verantwortliche Person in der EU, Produktkennung, Warn- und Sicherheitshinweise | 13.12.2024; neues ProdSG seit 19.02.2026 | Abmahnung, Sperre auf Amazon und OTTO |
| Verbot pauschaler Umweltaussagen (EmpCo, im UWG umgesetzt) | keine Begriffe wie „umweltfreundlich“ oder „klimaneutral“ ohne Nachweis, Siegel nur mit Zertifizierung | 27.09.2026, auch für bestehende Produkte | Abmahnung |
| Preisangabenverordnung (Grundpreis) | Grundpreis auf einen Blick mit dem Gesamtpreis | gilt | einer der häufigsten Abmahngründe |
| Textilkennzeichnung | Faserzusammensetzung vor dem Kauf, nur offizielle Fasernamen | gilt | Abmahnung |
| Energielabel | Label oder Effizienzpfeil nahe am Preis, Link zum Produktdatenblatt | gilt | Abmahnung |
| Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) | barrierefreie Produktinformationen im B2C-Shop | 28.06.2025 | Bußgeld bis 100.000 Euro |
| Digitaler Produktpass (ESPR) | Produktpass mit Daten zu Material, Reparatur und Recycling | Batteriepass ab 18.02.2027, Textilien voraussichtlich ab etwa 2029 | kein Marktzugang |
Zwei Punkte werden oft verwechselt. Die geplante Green-Claims-Richtlinie der EU liegt auf Eis. Das Verbot pauschaler Umweltaussagen gilt aber seit dem 27. September 2026 trotzdem. Es stammt aus einer anderen Richtlinie (EmpCo) und betrifft auch Texte in Feeds und auf Marktplätzen.
Was kosten Ihre Produktdaten? Der Rechner
Der Rechner schätzt drei Kostenblöcke pro Jahr:
- Retouren durch Datenfehler: Umsatz geteilt durch Warenkorb ergibt die Bestellungen. Davon nehmen wir die Retourenquote und den Anteil der Retouren wegen Beschreibung oder Bild. Das Ergebnis mal den Kosten pro Retoure ergibt die Retourenkosten.
- Entgangener Umsatz in Feed-Kanälen: Umsatz über Google, Marktplätze und KI-Suche mal dem Anteil abgelehnter oder eingeschränkter Artikel.
- Interne Arbeitszeit: Stunden pro Woche für Korrekturen mal 46 Arbeitswochen mal Stundensatz.
Die Startwerte sind Beispiele für einen Shop mit 5 Millionen Euro Umsatz. Setzen Sie Ihre eigenen Werte ein. Den Anteil der Retouren wegen Beschreibung oder Bild finden Sie in Ihrem Retourengrund-Report. Den Anteil fehlerhafter Artikel zeigen die Diagnose im Merchant Center und die Fehlerberichte der Marktplätze.
Summe aus Retourenkosten, entgangenem Umsatz und interner Arbeitszeit
- Retourenkosten durch Datenfehler
- –
- Entgangener Umsatz in Feed-Kanälen
- –
- Interne Arbeitszeit
- –
- Retouren wegen Datenfehlern
- –
- Anteil am Umsatz
- –
Ihre Angaben und das Ergebnis werden in das Kontaktformular übernommen.
Grobe Schätzung. Nicht enthalten sind Kaufabbrüche durch fehlende Infos, Abmahnrisiken und Wertverlust retournierter Ware. Der entgangene Umsatz ist Umsatz, kein Gewinn.
Der Rechner ist bewusst vorsichtig. Er rechnet mit Stückzahlen, nicht mit Umsatz, und lässt drei Posten weg: Kaufabbrüche wegen fehlender Informationen, den Wertverlust retournierter Ware und Abmahnkosten. Die echten Kosten liegen also eher höher.
Mehr zur Berechnung der Retourenkosten finden Sie im Artikel Retourenquote berechnen.
Woher schlechte Produktdaten im Mittelstand kommen
In Projekten mit Händlern zwischen einer und 50 Millionen Euro Umsatz sehe ich immer wieder dieselben Ursachen:
- Das ERP ist die Quelle. ERP-Systeme sind für Einkauf, Lager und Buchhaltung gebaut. Felder für Kaufmerkmale, Texte und Bilder fehlen oft. Was im ERP nicht steht, fehlt dann in jedem Kanal.
- Lieferantendaten werden ungeprüft übernommen. Sie kommen als Excel, PDF oder BMEcat, jeder Lieferant in einem anderen Format.
- Excel ist das heimliche PIM. Mehrere Versionen kursieren, niemand prüft die Werte.
- Niemand ist verantwortlich. Der Einkauf pflegt Stammdaten, das E-Commerce-Team Texte, das Marketing Bilder. Für die Qualität insgesamt fühlt sich niemand zuständig. Laut einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Informations- und Datenqualität hat fast jedes dritte Unternehmen keinen Verantwortlichen für Datenqualität.
- Varianten sind falsch angelegt. Größe und Farbe sind als eigene Produkte angelegt, oder eine EAN fehlt je Variante.
- Fehlerberichte landen bei niemandem. Der Connector zum Marktplatz meldet Fehler, aber niemand liest sie.
- Neue Pflichtfelder kommen schneller als neue Prozesse. GPSR, Energielabel und ab 2027 die Bildgröße bei Google.
Produktdatenqualität messen: Score und Kennzahlen
Was Sie nicht messen, verbessert sich nicht. Ein einfacher Score von 0 bis 100 reicht für den Anfang. Bewerten Sie Ihre 50 bis 100 umsatzstärksten Produkte nach den sechs Dimensionen.
| Dimension | Mode und Schuhe | Technik und Elektronik | Haus, Garten, Möbel | Prüfpunkte |
|---|---|---|---|---|
| Vollständigkeit | 25 % | 25 % | 25 % | Pflichtmerkmale je Kanal gefüllt, GTIN je Variante |
| Richtigkeit | 20 % | 20 % | 20 % | Stichprobe gegen Ware oder Herstellerangabe |
| Einheitlichkeit | 15 % | 15 % | 15 % | Preis, Bestand, Titel gleich in Shop, Feed und Marktplatz |
| Aktualität | 10 % | 15 % | 10 % | Preis und Bestand mindestens täglich aktualisiert |
| Reichhaltigkeit | 20 % | 10 % | 20 % | Größentabelle, Material, Pflege, Einsatzzweck, Maße |
| KI-Lesbarkeit | 10 % | 15 % | 10 % | Technische Daten als Text, Highlights, Fragen und Antworten |
Dazu kommen fünf Kennzahlen, die Sie wöchentlich ansehen sollten:
- Vollständigkeit je Kanal: Anteil der Produkte, bei denen alle Pflichtmerkmale des Kanals gefüllt sind.
- Fehlerquote im Feed: Anteil abgelehnter oder eingeschränkter Artikel im Merchant Center.
- Unterdrückte Angebote je Marktplatz: zum Beispiel aus dem Amazon-Bereich für Angebotsqualität oder dem Kaufland-Bericht „Ungültige Artikel“.
- Zeit bis zum Listing: Tage vom Wareneingang bis zum vollständigen Angebot in allen Kanälen.
- Retourenquote „entspricht nicht der Beschreibung“: am besten je Kategorie.
Produktdaten optimieren: der 30-Tage-Plan
Sie müssen nicht alle Produkte auf einmal verbessern. Beginnen Sie dort, wo der Umsatz liegt. Bei den meisten Händlern machen 10 bis 20 Prozent der Produkte den Großteil des Umsatzes.
Woche 1: Bestandsaufnahme
- Top 100 Produkte nach Umsatz der letzten zwölf Monate auswählen
- Diagnose im Merchant Center exportieren
- Fehlerberichte der Marktplätze exportieren
- Retourengründe je Produkt auswerten
Woche 2: Pflicht vor Kür
- ungültige oder fehlende GTINs korrigieren
- abgelehnte Artikel bei Google und unterdrückte Angebote auf Marktplätzen beheben
- GPSR-Angaben, Grundpreise und Pflichtangaben prüfen
- Produkttexte nach pauschalen Umweltaussagen durchsuchen
Woche 3: Einheitlich und vollständig
- Preis und Bestand zwischen Shop, Feed und Marktplätzen abgleichen
- fehlende Pflichtmerkmale je Kategorie ergänzen
- Bilder unter 500 × 500 Pixel ersetzen
- Größentabellen und Maße bei Produkten mit hoher Retourenquote verbessern
Woche 4: Fit für die KI-Suche und dauerhaft sauber
- Produkt-Highlights und technische Details im Merchant Center pflegen
- die zehn häufigsten Kundenfragen je Top-Produkt als Fragen und Antworten hinterlegen
- Verantwortliche je Datengruppe festlegen
- Prüfschritt vor jeder Veröffentlichung einführen
- die fünf Kennzahlen wöchentlich berichten
ERP, Feed-Tool oder PIM: Was brauchen Sie?
Nicht jeder Händler braucht ein PIM-System. Die Entscheidung hängt von Sortiment, Kanälen und Sprachen ab.
| Ausgangslage | Reicht meist | Warum |
|---|---|---|
| Ein Shop, Google, wenige hundert Produkte, eine Sprache | Shop-System plus Regeln im Merchant Center | Wenig Komplexität, die Pflege im Shop ist überschaubar |
| Shop plus 2 bis 4 Marktplätze, bis einige tausend Produkte | Shop oder ERP plus Feed-Tool | Das Feed-Tool übersetzt die Daten je Kanal und zeigt Fehler |
| Viele Kanäle, mehrere Sprachen, viele Lieferanten oder tausende Varianten | PIM-System als zentrale Quelle | Ohne zentrale Quelle laufen die Kanäle auseinander |
Wichtiger als das Werkzeug ist die Regel, welches System welche Daten führt. Preise und Bestände kommen meist aus dem ERP. Texte, Merkmale und Bilder gehören in Shop oder PIM. Wann sich ein PIM rechnet, steht ausführlich im Artikel PIM für Shopify. Eine kurze Definition finden Sie im Glossar unter PIM.
Checkliste: Wie gut sind Ihre Produktdaten?
FAQ
Was ist Produktdatenqualität?
Produktdatenqualität beschreibt, wie vollständig, richtig, einheitlich und aktuell die Informationen zu Ihren Produkten sind. Dazu kommen Reichhaltigkeit und KI-Lesbarkeit. Gute Produktdaten sind in Shop, Google-Feed, Marktplätzen und KI-Assistenten gleich und beantworten die Fragen der Käufer.
Was kosten schlechte Produktdaten?
Schlechte Produktdaten kosten an drei Stellen: durch Retouren, durch geringere Sichtbarkeit bei Google und auf Marktplätzen und durch interne Korrekturarbeit. Laut KPMG und EHI nennen 60,4 Prozent der deutschen Online-Käufer eine ungenaue Beschreibung oder abweichende Bilder als Retourengrund. Die genaue Höhe für Ihren Shop schätzt der Rechner in diesem Artikel.
Wie messe ich die Qualität meiner Produktdaten?
Bewerten Sie Ihre umsatzstärksten Produkte nach sechs Dimensionen: Vollständigkeit, Richtigkeit, Einheitlichkeit, Aktualität, Reichhaltigkeit und KI-Lesbarkeit. Ergänzen Sie fünf Kennzahlen: Vollständigkeit je Kanal, Fehlerquote im Feed, unterdrückte Angebote, Zeit bis zum Listing und Retouren wegen falscher Beschreibung.
Wie komme ich mit meinen Produkten in ChatGPT?
Der wichtigste Schritt ist ein sauberer Google-Shopping-Feed. Laut einer Studie von Peec AI und Precis aus dem Jahr 2026 stammen die Produkte in ChatGPT Shopping praktisch alle aus den Top 40 von Google Shopping. Zusätzlich können Sie einen Produktfeed direkt an OpenAI liefern. Shopify-Händler werden über Agentic Storefronts automatisch angebunden.
Helfen strukturierte Daten bei der KI-Suche?
Kaum. Google schreibt, dass strukturierte Daten für KI-Funktionen nicht erforderlich sind. Eine Studie von Ahrefs aus dem Jahr 2026 fand keinen messbaren Effekt auf KI-Zitate. Für Sterne, Preise und Lieferinfos in den normalen Suchergebnissen bleiben strukturierte Daten aber wichtig.
Warum wird mein Amazon-Angebot unterdrückt?
Häufige Gründe sind fehlende Pflichtmerkmale, ein Hauptbild, das nicht den Regeln entspricht, zu lange Titel, eine ungültige GTIN oder fehlende GPSR-Angaben. Amazon führt außerdem regelmäßig neue Pflichtfelder ein. Den Grund finden Sie in Seller Central unter Inventar und Angebotsqualität.
Brauche ich ein PIM-System?
Nicht immer. Mit einem Shop, wenigen hundert Produkten und einer Sprache reichen meist Shop-System und Feed-Regeln. Mit mehreren Marktplätzen hilft ein Feed-Tool. Ein PIM lohnt sich bei vielen Kanälen, mehreren Sprachen, vielen Lieferanten oder tausenden Varianten.
Welche Produktdaten sind gesetzlich Pflicht?
Für viele Händler sind das die GPSR-Angaben zu Hersteller und Sicherheit, der Grundpreis, die Faserzusammensetzung bei Textilien und das Energielabel bei Elektrogeräten. Seit dem 27. September 2026 sind außerdem pauschale Umweltaussagen ohne Nachweis verboten. Lassen Sie im Zweifel eine Anwältin oder einen Anwalt prüfen.
Wie oft sollte ich meine Produktdaten prüfen?
Preis und Bestand sollten mindestens täglich zwischen allen Kanälen abgeglichen werden. Fehlerberichte von Google und Marktplätzen sollten Sie wöchentlich prüfen. Eine vollständige Bewertung mit Score lohnt sich einmal im Quartal und vor jeder Saison.
Fazit: Produktdaten sind Umsatz, nicht Stammdatenpflege
Schlechte Produktdaten kosten Sie heute an drei Stellen gleichzeitig: bei Google, auf Marktplätzen und in der KI-Suche. Alle drei Kanäle lesen im Kern dieselben Daten. Ein Fehler wirkt deshalb fast immer mehrfach.
Die gute Nachricht: Die größten Hebel sind bekannt. Gültige GTINs, vollständige Pflichtmerkmale, gleiche Angaben in allen Kanälen und ein sauberer Google-Feed. Für die KI-Suche kommen sichtbare Texte und beantwortete Kundenfragen dazu. Beginnen Sie mit Ihren umsatzstärksten Produkten. Legen Sie fest, wer für welche Daten verantwortlich ist. Dann zeigen sich die Ergebnisse oft schon nach wenigen Wochen in weniger Retouren und mehr Sichtbarkeit.
Quellenverzeichnis
- KPMG mit EHI: Retouren als Chance, Pressemitteilung (11.12.2025)
- Logistik Heute: 2026 wird mit 560 Millionen Retouren Höchststand erzielt (30.09.2026)
- Retail News: EHI-Studie Retourenmanagement 2026
- IFH Köln / ECC Club: Die nächste Stufe des E-Commerce (10/2025, PDF)
- Syndigo: State of Product Experience 2025
- Salsify: Consumer Research Report 2025
- SDZeCOM und Hochschule Aalen: ProDa-Studie 2017 (PDF)
- CIO.de: Bessere Datenqualität ist oft ein Lippenbekenntnis (DGIQ-Studie)
- Google Merchant Center: Richtlinien und Durchsetzung
- Google Merchant Center: Eindeutige Produktkennzeichnungen
- Google Merchant Center: Update der Produktdatenspezifikation 2026
- Google: Content API for Shopping Sunset
- Google Search Central: Optimizing your website for generative AI features
- Google: Shopping-Updates von Google Marketing Live 2026
- Productsup: Six conversational attributes in Merchant Center
- Precis: How ChatGPT shops (Studie mit Peec AI, 06/2026)
- PPC Land: AI Mode cuts Google Shopping listings by 95 % (Productrise)
- Ahrefs: Does schema help AI citations?
- OpenAI: Agentic Commerce, Key Concepts
- Shopify: Agentic Commerce Momentum (24.03.2026)
- Kaufland Global Marketplace: Seller University, Produktdaten
- Zalando Partner: Products Onboarding
- Händlerbund: GPSR bei OTTO beachten
- IHK: Missbrauch von GS1-Nummernsystemen (PDF)
- EUR-Lex: Verordnung (EU) 2023/988 (GPSR)
- Gleiss Lutz: Umsetzung der EmpCo-Richtlinie in deutsches Recht
- IHK München: Green Claims
- WBS Legal: BGH zu Grundpreisen
- IT-Recht Kanzlei: Textilkennzeichnungsverordnung
- Gesetze im Internet: BFSG § 11
- EU-Kommission: Digitaler Produktpass